Historie Historie
   
Die Geschichte der Paderborner Wasserversorgung
Entwicklungsphasen aus einem halben Jahrtausend
Über tausend Jahre lang, bis zum Jahre 1929, war das Wasser der Pader im Alltag der Paderborner Bürger unverzichtbar: Trinkwasser, Brauchwasser und vor allem Löschwasser - die ständig schüttenden Quellen lieferten es im Überfluss. Im Mittelalter wurde Paderborn wiederholt von verheerenden Feuersbrünsten heimgesucht. So schnell, wie sich das Feuer im damals üblichen Fachwerk der Häuser ausbreitete, konnte das Löschwasser nicht an den jeweiligen Brandherd gebracht werden.

So war es die Brandkatastrophe von 1506, der 300 Häuser zum Opfer fielen, die den Paderborner Rat dazu bewegte, vorbeugende Brandschutzmaßnahmen zu ergreifen und die Löschwasserversorgung auch abseits der Quellen und Flussarme grundlegend zu verbessern.

1523 ließ die Stadt an der Börnepader eine "Wasserkunst" errichten. Die Kraft des fließenden Paderwassers wurde über ein Wasserrad auf eine Kolbenpumpe übertragen, die über ein Rohrleitungssystem Wasser "künstlich" bergauf in die höher gelegenen Stadtteile beförderte.

Dort befanden sich große steinerne Becken, die Kümpe, aus denen die Paderborner Bevölkerung Wasser zum Löschen, aber natürlich auch für die alltäglichen Lebensbedürfnisse schöpfen konnte.

Das Paderwasser gelangte zunächst über eine Druckleitung in den höchstgelegenen Kump am Kamp, von wo es sich über Rohrleitungen auf mehrere andere, tieferliegende Kümpe am Kamp beim heutigen Bischofspalais, auf dem Marktplatz, vor dem Rathaus, auf dem heutigen Marienplatz und in der Westernstraße vor dem Franziskanerkloster verteilte.

Zur Versorgung von Jesuitenkolleg und Kapuzinerkloster mit Wasser gab es neben der städtischen Wasserkunst seit 1604 die Jesuitenwasserkunst an der Börnepader und seit 1626 die Kapuzinerwasserkunst an der Dielenpader.

Ab 1888 wurde ein neues Leitungsnetz mit Hausanschlüssen aufgebaut und die Kümpe verloren ihre unmittelbare Bedeutung für die Wasserversorgung der Paderborner Einwohner. Dies war der Grundstein zur Gründung der Städtischen Wasserwerke, die 1969 durch Aufgabe des Städtischen Eigenbetriebs in die Stadtwerke Paderborn GmbH umbenannt wurden. Mangelnde Trinkwasserqualitäten verursachten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts europaweit auftretende Cholera- und Typhusepidemien und machten auch in Paderborn grundlegende Veränderungen in der Wasserversorgung erforderlich. So wurde die alte Wasserkunst im Jahre 1902 durch ein Ozonwasserwerk ergänzt, seinerzeit eine der modernsten Anlagen dieser Art in Europa, in der das Paderwasser mit Hilfe von Ozon entkeimt wurde.

Weiter steigende Ansprüche an die Trinkwasserqualität führten aber schon bald zum Ende der Wasserversorgung aus der Pader. 1929 löste das Sennewasserwerk am Diebesweg, wo Wasser aus Tiefbrunnen gefördert wird, die alte Paderborner Wasserkunst ab. Heute erinnern nur noch eine Straßenbezeichnung und die zu Springbrunnen umgestalteten Kümpe an die historische Wasserversorgung Paderborns.

 
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